Die Wahlen in Bosnien und Herzegowina, die voraussichtlich im Oktober 2026 stattfinden werden, finden in einer Phase zunehmender geopolitischer Unsicherheit statt. Ursprüngliche Hoffnungen auf eine Verbesserung des Wahlsystems durch neue Technologien und die Eindämmung von Wahlbetrug, insbesondere im serbisch geprägten Teil des Landes, der Republika Srpska, haben sich durch den Rücktritt des Hohen Repräsentanten Christian Schmidt im Juni zerschlagen. Schmidt hatte zuvor Änderungen im Auszählungsprozess durchgesetzt. Die USA, Europa und über 50 weitere Staaten hatten das 1995 durch den Vertrag von Dayton geschaffene Staatswesen Bosnien und Herzegowinas, bestehend aus der muslimisch-kroatischen Föderation Bosnien-Herzegowina und der serbischen Republika Srpska, unterstützt. Eine Neuausrichtung der US-Außenpolitik, die auf intensive Lobbyarbeit des bosnisch-serbischen Politikers Milorad Dodik zurückgeführt wird, schafft jedoch Unsicherheit. Berichten zufolge mobilisierte Dodik zwischen 9 und 28 Millionen Euro für Lobbyfirmen und einflussreiche politische Akteure in Washington, darunter den ehemaligen nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn, für den zeitweise rund 100.000 US-Dollar pro Monat aufgebracht wurden. Ein zentraler Erfolg dieser Lobbyarbeit war die Aufhebung aller US-Sanktionen gegen Dodik, seine Familie und 47 verbundene Unternehmen und Personen im Oktober 2025. Das US-Außenministerium begründete dies mit Dodiks Rücktritt von seinen Regierungsämtern und dem Rückzug verfassungswidriger Abspaltungsgesetze durch seine Partei SNSD. Tatsächlich ging es jedoch um wirtschaftliche Interessen: Parallel zur Aufhebung der Sanktionen vermittelte die US-Regierung den Bau der Southern Interconnection Gas Pipeline (SIC), die Flüssiggas aus den USA von der kroatischen Adriaküste nach Bosnien führen soll. Dieses Projekt wird von Joseph Flynn, dem Bruder von Michael Flynn, und Donald Trumps Anwalt Jesse Binnall betrieben. Dodik gab im Gegenzug seinen jahrelangen Widerstand gegen das Pipelineprojekt auf. Dies führte zu massivem Druck auf Christian Schmidt, der den Pipelinedeal blockiert und juristisch gegen Dodik vorgegangen war. Die Neubesetzung des dreiköpfigen Staatspräsidiums, bestehend aus jeweils einem Vertreter der Bosniaken, Serben und Kroaten, sowie die Wahlen zum Abgeordnetenhaus des gesamtstaatlichen Parlaments und den Parlamenten der beiden Entitäten (Republika Srpska und Föderation Bosnien und Herzegowina) finden am 4. Oktober 2026 statt. Die komplexe Verfassungsordnung und die erwarteten Koalitionsverhandlungen lassen wenig Rückschlüsse auf die zukünftige Regierung des Gesamtstaates zu.
Unsere Einschätzung ist, dass die bevorstehenden Wahlen in Bosnien und Herzegowina stark von geopolitischen Interessen und US-amerikanischer Einflussnahme geprägt sind. Die Aufhebung der Sanktionen gegen Dodik, verbunden mit dem Pipeline-Projekt, deutet auf einen Deal hin, der politische Zugeständnisse gegen wirtschaftliche Vorteile austauscht. Wir sehen, dass der Rücktritt Schmidts und die damit verbundene Blockade des Pipeline-Deals eine direkte Folge dieser Neuausrichtung der US-Außenpolitik ist. Die Quellen legen nahe, dass die Wahlen selbst weniger um politische Programme als vielmehr um die Durchsetzung dieser Interessen geführt werden.
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