Die USA fordern von ihren Nato-Verbündeten eine klare Positionierung zu verteidigungspolitischen Anliegen und überprüfen derzeit ihre Truppenpräsenz in Europa. Im Rahmen dieser Überprüfung wurden Fragebögen verschickt, um die Verbündeten im Zusammenhang mit dem Konzept „Nato 3.0“ direkt und schriftlich zu konsultieren, erklärte US-Verteidigungsstaatssekretär Elbridge Colby. Dieses Konzept sieht vor, dass die europäischen Verbündeten die Hauptverantwortung für die konventionelle Verteidigung Europas übernehmen und den Großteil der dafür benötigten Streitkräfte stellen, während die USA weiterhin ihren nuklearen Schutzschirm bereitstellen, sich aber bei konventionellen Fähigkeiten auf einen begrenzten Beitrag konzentrieren wollen.
Colby begründete die geplanten Veränderungen damit, dass Washington seine militärischen Ressourcen stärker auf die Verteidigung der USA, der westlichen Hemisphäre und die Abschreckung im Indopazifik konzentrieren müsse. Die Fragebögen beinhalten unter anderem Fragen zur Bereitschaft, mehr Verantwortung in der Nato-Kommandostruktur zu übernehmen, sowie brisante Themen wie Rüstungsgüterkäufe bei US-Unternehmen, die Haltung zu außenpolitischen Prioritäten der USA und bestehende Restriktionen für US-Streitkräfte in Europa. Letztere waren insbesondere nach Beginn des Iran-Krieges relevant, als Länder wie Spanien den USA die Nutzung von Stützpunkten und Luftraum für Militäroperationen gegen den Iran untersagten.
Die USA erwarten zwar keinen Blankoscheck in allen Belangen, benötigen aber Berechenbarkeit und die Fähigkeit, effektiv zu operieren. Die fehlende Berechenbarkeit während der „Operation Epic Fury“, dem US-Militäreinsatz gegen den Iran, hatte bei Präsident Donald Trump zu Frustration geführt. Im Hintergrund der Fragen zu Rüstungsbeschaffungen steht die US-Kritik an europäischen Bemühungen um mehr „Made in Europe“ in der Rüstungsindustrie. Es wird vermutet, dass die USA europäische Investitionen in die eigene Rüstungsindustrie verstehen, US-Unternehmen jedoch ebenfalls berücksichtigt werden sollten.
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