Die türkische Polizei hat den oppositionsnahen Fernsehsender Halk TV durchsucht und unter Zwangsverwaltung gestellt. Die Razzia erfolgte aufgrund einer Gerichtsentscheidung, die die Beschlagnahme des Vermögens von Halk TV-Vorstandschef Cafer Mahiroglu anordnete. Mahiroglu wird Bestechung, Ausschreibungsbetrug und Geldwäsche vorgeworfen, was er jedoch zurückweist. Im Zuge der Ermittlungen wurden 17 Personen zur Fahndung ausgeschrieben, von denen elf bereits festgenommen wurden.
Halk TV, einer der populärsten Nachrichtensender in der Türkei, unterbrach seine Live-Sendung, als die Polizei das Gebäude stürmte und den Mitarbeitern den Zutritt verwehrte. Chefredakteur Suat Toktaş versuchte, den von den Behörden eingesetzten Verwalter davon zu überzeugen, die Sendung nicht zu stoppen.
Die Opposition kritisierte das Vorgehen scharf. Özgür Özel von der Yeni Parti verglich die Maßnahmen mit denen einer Diktatur, während die türkische Journalistengewerkschaft TGS die Entscheidung als willkürlich verurteilte. Die Übernahme von Halk TV erfolgt zwei Wochen nach der Sperrung der unabhängigen Nachrichtenwebsite T24, der "LGBT-Propaganda" vorgeworfen worden war. Menschenrechtsorganisationen und westliche Länder haben die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan in der Vergangenheit wegen Eingriffen in die Pressefreiheit kritisiert.
Es bleibt unklar, wie sich die Übernahme von Halk TV auf die Medienlandschaft in der Türkei auswirken wird und welche weiteren Schritte die Behörden unternehmen werden.
Unsere Lesart ist, dass die Durchsuchung und Übernahme von Halk TV ein weiteres Zeichen für die zunehmende Einschränkung der Medienfreiheit in der Türkei darstellt. Die Vorwürfe gegen den Vorstandschef scheinen, angesichts des zeitlichen Zusammenhangs mit der Sperrung von T24 und der Kritik der Opposition, als Vorwand für eine gezielte Unterdrückung regierungskritischer Stimmen zu dienen. Die Reaktion der Opposition und der Journalistenverbände unterstreicht die Besorgnis über die Entwicklung.
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