Spiegel-Gründer Augstein beschäftigte ehemalige Nazis in den Anfangsjahren
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Image: Spiegel De
Der SPIEGEL-Gründer Rudolf Augstein stellte in den frühen Jahren der Zeitschrift mutmaßlich mehr ehemalige Nationalsozialisten und SS-Angehörige ein, als bisher bekannt. Dies geht aus einer neuen Biografie über Augstein hervor. So wurde Georg Wolff, ein SS-Hauptsturmführer, der bis in die 1970er Jahre über 80 Titelgeschichten für den SPIEGEL verfasste, eingestellt, nachdem Augstein ihn im Vorstellungsgespräch gefragt hatte, ob er Juden getötet habe. Wolff verneinte dies, was für Augstein offenbar ausreichend war. Die Autoren Martin Doerry und Hauke Janssen betonen, dass viele Journalisten in der Nachkriegszeit bereits während der NS-Zeit tätig waren und eine gewisse Affinität zum System hatten, was die Personalauswahl beeinflusste. Ein Beispiel für Wolffs Arbeit ist eine frühe Titelgeschichte über Ben Gurion, die antisemitische Klischees enthielt. Die damalige Leserschaft war stark von der NS-Ideologie geprägt, und der SPIEGEL spiegelte diese Mentalität wider. Parallel dazu wird in einem neuen Kinofilm die Rolle des Ruder-Trainers Karl Adam während des Dritten Reichs thematisiert, der von 1933 bis 1934 Mitglied der SA war und als Lehrer an einer Napola-Schule tätig war. Adam wurde 1947 vom Entnazifizierungsausschuss befragt, aber seine Vergangenheit wurde im Film nur am Rande behandelt. Es bleibt offen, inwieweit die Vergangenheit von Adam und die Beschäftigung ehemaliger Nationalsozialisten beim SPIEGEL die Berichterstattung beeinflussten und welche Lehren daraus für die heutige Medienarbeit gezogen werden können.
Wo sie sich unterscheiden
- Der SPIEGEL-Artikel konzentriert sich primär auf die Vergangenheit des SPIEGEL-Gründers Rudolf Augstein und die Einstellung ehemaliger Nationalsozialisten.
- Der Artikel von FR.de behandelt hauptsächlich den Kinofilm „Adams Acht“ und die problematische Vergangenheit des Ruder-Trainers Karl Adam während der NS-Zeit.
- FR.de legt den Fokus auf die Versäumnisse des Films, Adams NS-Vergangenheit umfassend aufzuarbeiten, während der SPIEGEL-Artikel die eigenen historischen Verfehlungen des Verlags beleuchtet.
Was noch nicht bekannt ist
- Wie tiefgreifend der Einfluss ehemaliger Nationalsozialisten auf die redaktionelle Linie des SPIEGEL tatsächlich war, bleibt unklar.
- Inwieweit die Einstellungspraxis von Augstein eine bewusste Entscheidung war oder auf pragmatischen Erwägungen basierte, ist nicht abschließend geklärt.
Hintergrund
- Rudolf Augstein gründete den SPIEGEL im Jahr 1947, eine Zeitschrift, die sich schnell zu einem bedeutenden Medium in Deutschland entwickelte [Fact Refinery, N/A].
- Georg Wolff, ein ehemaliger SS-Hauptsturmführer, war bis in die 1970er Jahre Autor von über 80 Titelgeschichten für den SPIEGEL [Fact Refinery, N/A].
- Nach dem Zweiten Weltkrieg waren viele Journalisten bereits während der NS-Zeit tätig, was die Personalauswahl beeinflusste [Fact Refinery, N/A].
- Die Napola-Schulen waren Internate, die während der NS-Zeit gegründet wurden, um die Elite der nationalsozialistischen Führungskräfte auszubilden [background knowledge].
- Die Entnazifizierung war ein Prozess, der nach dem Zweiten Weltkrieg durchgeführt wurde, um ehemalige Nationalsozialisten aus öffentlichen Ämtern und Institutionen zu entfernen [background knowledge].
Unsere Einschätzung
Unsere Lesart ist, dass die neue Biografie über Rudolf Augstein und der begleitende Film über Karl Adam ein Licht auf die schwierige Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in den deutschen Medien und der Gesellschaft werfen. Es scheint, dass pragmatische Erwägungen und die Nachkriegsmentalität die Einstellungspraxis beeinflussten, was zu einer Spiegelung der NS-Ideologie in der Berichterstattung führen konnte. Die Artikel deuten an, dass die vollständige Tragweite dieser Vergangenheit und ihre Auswirkungen auf die redaktionelle Linie noch unklar sind.
Worauf zu achten ist
- Ob weitere Recherchen den tatsächlichen Einfluss ehemaliger Nationalsozialisten auf die redaktionelle Linie des SPIEGEL aufdecken können (zu finden in zukünftigen Ausgaben des SPIEGEL oder unabhängigen Untersuchungen).
- Ob die Autoren Doerry und Janssen weitere Details über Augsteins bewusste Entscheidungen oder pragmatische Erwägungen bei der Einstellungspraxis veröffentlichen werden (zu finden in weiteren Veröffentlichungen der Autoren oder Rezensionen der Biografie).
- Wie die Diskussion um die NS-Vergangenheit des SPIEGEL und von Karl Adam die heutige Medienarbeit und den Umgang mit ähnlichen Fällen beeinflussen wird (zu beobachten in öffentlichen Debatten und Medienberichten).
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