Das spanische Verfassungsgericht hat eine Entscheidung getroffen, die es Carles Puigdemont, dem ehemaligen katalanischen Regierungschef und führenden Separatisten, ermöglichen könnte, nach neun Jahren Exil nach Spanien zurückzukehren. Das Gericht hob den Haftbefehl gegen Puigdemont auf, da es die Veruntreuung öffentlicher Gelder, die ihm vorgeworfen wurde, nicht als persönliche Bereicherung ansieht. Puigdemont floh 2017 nach dem gescheiterten Unabhängigkeitsreferendum nach Belgien. Zuvor hatte das Oberste Gericht die Anwendung eines Amnestiegesetzes von 2024 auf Puigdemont abgelehnt, da es die veruntreuten Gelder als persönlichen Vorteil interpretierte. Das Verfassungsgericht widersprach dieser Auslegung und argumentierte, dass die Verwendung öffentlicher Gelder für politische Ziele keine persönliche Bereicherung darstelle. Die Entscheidung des Verfassungsgerichts wurde vom Obersten Gericht akzeptiert, was zur Aufhebung des Haftbefehls führte. Obwohl Puigdemont jahrelang von der spanischen Justiz verfolgt wurde und mehrere Festnahmen erlebte, wurde er nie nach Spanien ausgeliefert. Das Amnestiegesetz, das von der Regierung Sánchez verabschiedet wurde, sollte die Begnadigung katalanischer Separatisten ermöglichen, wurde aber vom Obersten Gericht zunächst abgelehnt. Die aktuelle Entscheidung des Verfassungsgerichts ermöglicht Puigdemonts Rückkehr, während gleichzeitig ein Wahlkampf in Katalonien stattfindet, in dem die Themen jedoch andere geworden sind. Junts, die Partei, die Puigdemont unterstützt, hat an Zustimmung verloren und steht vor der Konkurrenz neuer, rechtsgerichteter Parteien.
Unsere Einschätzung ist, dass das spanische Verfassungsgericht mit seiner Entscheidung eine komplexe politische Lage weiter verkompliziert hat. Obwohl die rechtlichen Hürden für Puigdemonts Rückkehr beseitigt wurden, deutet die Berichterstattung darauf hin, dass seine politische Bedeutung in Katalonien abgenommen hat. Die Entscheidung scheint weniger eine triumphale Heimkehr zu ermöglichen als vielmehr eine juristische Frage zu klären, während der Wahlkampf bereits von anderen Themen dominiert wird.
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