Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hat eine "sehr große Überraschung" für die Palästinensische Autonomiebehörde angekündigt, während seine Regierung eine umfassende Offensive im Westjordanland startet. Dies geschieht vor dem Hintergrund der bevorstehenden Parlamentswahlen, bei denen Netanjahu trotz Skandalen um seine Person möglicherweise eine weitere Amtszeit anstreben kann. Der US-Milliardär Ron Lauder, ein langjähriger Vertrauter Netanjahus und Präsident des Jüdischen Weltkongresses, hat in einem Interview mit der Zeitung "Haaretz" scharfe Kritik an Netanjahu geäußert und warnt vor einer weiteren Amtszeit. Lauder beschreibt Israel unter Netanjahu als eine "Bananenrepublik" und wirft dem Premierminister vor, die Interessen des Landes hinter seine persönlichen zu stellen. Er sieht in den Ministern Itamar Ben-Gvir und Bezalel Smotrich eine zerstörerische Kraft, die mit Netanjahus Wissen und Zustimmung agiert. Lauder hat seine Verbindungen zu Israel weitgehend gekappt und plant keine Rückkehr. Er favorisiert bei den kommenden Wahlen Gadi Eisenkot von der Jaschar-Partei. Laut dem Politologen Ofer Kenig vom Israel Democracy Institute muss Netanjahu nicht gewinnen, sondern lediglich verhindern, dass ein anderer Kandidat eine Mehrheit erhält, um seine Machtposition zu sichern. Die Offensive im Westjordanland, die nach dem Tod zweier Soldaten begann, umfasst umfassende Militäroperationen und die Zerstörung illegaler Strukturen. Laut Angaben der israelischen Armee und des Shin Bet wird die Offensive voraussichtlich mehrere Tage andauern. Seit dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober wurden im Westjordanland mindestens 1113 Palästinenser getötet, während im selben Zeitraum mindestens 49 Israelis ums Leben kamen.
Unsere Einschätzung ist, dass Netanjahu in einer prekären Lage steckt, sowohl politisch als auch sicherheitspolitisch. Seine Ankündigung einer „großen Überraschung“ für die Palästinenser, inmitten einer Offensive im Westjordanland und vor den Wahlen, wirkt wie ein Versuch, Wähler zu mobilisieren und gleichzeitig eine harte Linie zu demonstrieren. Die scharfe Kritik von Lauder, einem langjährigen Vertrauten, unterstreicht die tiefe Spaltung innerhalb der israelischen Elite und deutet darauf hin, dass Netanjahu seine Unterstützung verliert, selbst bei denen, die ihm einst nahestanden.
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