Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu soll rund anderthalb Wochen vor dem Hamas-Angriff am 7. Oktober 2023 persönlich vom Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Mohammed bin Zayed, vor einer geplanten Großoffensive gewarnt worden sein. Laut Recherchen der israelischen Zeitungen „Haaretz“ und in einem neuen Buch von Schlomi Eldar und Ruth Yuval, soll bin Zayed Netanjahu in einem 45-minütigen Telefonat vor den Plänen des Hamas-Führers Yahya Sinwar gewarnt haben, die eine Destabilisierung der gesamten Region zur Folge haben könnten. Sinwar soll die Operation selbst als „Erdbeben“ bezeichnet haben. Die Warnung soll über einen Vermittler der Fatah weitergegeben worden sein, nachdem Verhandlungen über einen Gefangenenaustausch gescheitert waren. Netanjahu wies die Berichte als „absolute Lüge“ zurück und bestritt, das Gespräch geführt zu haben. Eldar und Yuval berichten, dass Netanjahu die Entscheidungsträger im israelischen Sicherheitsapparat – darunter Ronen Bar und Herzl Halevi – nicht über die Warnung informiert habe. Ex-Generalstabschef Gadi Eisenkot warf Netanjahu vor, dutzende Warnungen ignoriert zu haben, während der ehemalige Ministerpräsident Naftali Bennett ihm vorwarf, persönliche Verantwortung für die Todesopfer des 7. Oktober zu tragen. Die Veröffentlichung der Recherchen erfolgt inmitten des israelischen Wahlkampfs, in dem Netanjahu eine weitere Amtszeit anstrebt und seine Frau Sara kürzlich Verschwörungstheorien verbreitete. Netanjahu betonte kürzlich, dass Israel die Kontrolle über rund 60 Prozent des Gazastreifens behalten werde, ohne jedoch zu präzisieren, ob dies auch gelten würde, sollte die Hamas ihre Waffen abgeben. Die Frage, warum Netanjahu die Warnungen nicht an seine Sicherheitsdienste weitergab, bleibt offen.
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