Luiz Inácio Lula da Silva wurde zum vierten Mal Präsident Brasiliens gewählt, was für die Finanzmärkte des Landes einen Schock darstellte und den Traum des US-Außenministers Marco Rubio von einem durchweg rechtsgerichteten Lateinamerika durchkreuzt. Nach der Stichwahl brachen die Aktienkurse in São Paulo um über 17 Prozent ein, und die Zentralbank musste mit milliardenschweren Anleihekäufen eingreifen, um die Märkte zu beruhigen. Lula gewann die Wahl auch durch die Erhöhung von Sozialleistungen, die Senkung der Treibstoffpreise und die Ausweitung staatlicher Kredite, was die Staatsverschuldung Brasiliens seit seinem Amtsantritt von 72 auf 83 Prozent des BIP steigen ließ. Der Leitzins liegt derzeit bei rund 14 Prozent, was einem Realzins von fast 9 Prozent entspricht, dem höchsten unter den größeren Volkswirtschaften weltweit.
Der besiegte Kandidat Flávio Bolsonaro, Sohn des ehemaligen Präsidenten Jair Bolsonaro, hat die Niederlage nicht anerkannt und ist in die USA gereist, wo er Zuflucht gesucht hat. Er wird von der Justiz wegen Ermittlungen wegen Geldwäsche und Korruption ins Visier genommen. Diese Flucht spaltet die Rechte in Brasilien. Linke Medien betonen, dass Lulas Sieg Rubios Strategie untergräbt, während rechte Medien die wirtschaftlichen Folgen von Lulas Politik hervorheben und eine Abkehr von einem Kurswechsel bezweifeln.
Die zusätzlichen Ausgaben für die neuen Sozialprogramme, die Lula angekündigt hat, dürften den Staat bis Ende 2027 rund 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts kosten. Nach der breiteren Berechnungsmethode des Internationalen Währungsfonds dürfte Brasiliens Staatsverschuldung bereits 2027 die Marke von 100 Prozent des BIP überschreiten. Es bleibt abzuwarten, ob Lula angesichts der angespannten Staatsfinanzen seinen Kurs ändern wird, obwohl er mit einer Politik gewonnen hat, die Brasiliens Wirtschaft zunehmend belastet.
Unsere Einschätzung ist, dass Lulas Wahlsieg nicht nur eine politische, sondern auch eine wirtschaftliche Zäsur für Brasilien darstellt. Die unmittelbare Reaktion der Finanzmärkte und die Intervention der Zentralbank deuten auf erhebliche Unsicherheiten hinsichtlich der zukünftigen Wirtschaftspolitik hin. Die Berichterstattung der Medien, die sowohl die politische als auch die wirtschaftliche Dimension hervorhebt, unterstreicht die Komplexität der Lage und die potenziellen Auswirkungen auf die regionale geopolitische Landschaft.
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