Marine Le Pen und ihr Rassemblement National (RN) vollziehen eine bemerkenswerte Wende in der Außenpolitik, indem sie sich deutlicher von ihrer bisherigen Linie distanzieren, insbesondere in Bezug auf Russland. Gleichzeitig zeigt eine Umfrage des Lewada-Zentrums, dass in Russland die Unterstützung für Friedensgespräche über den Ukraine-Krieg zunimmt, jedoch unter der Bedingung, dass keine Gebiete zurückgegeben werden müssen. 64 Prozent der Befragten sprechen sich für Friedensverhandlungen aus, fünf Prozentpunkte mehr als im Vormonat, während 27 Prozent eine Fortsetzung der Kampfhandlungen befürworten, ein Rückgang um vier Prozentpunkte. Besonders unter jungen Menschen und Frauen ist die Zustimmung zu Gesprächen hoch (77 bzw. 70 Prozent).
Das Lewada-Zentrum untersuchte auch die Bereitschaft zu territorialen Zugeständnissen. Ohne diese Bedingung würden 81 Prozent eine sofortige Beendigung des Krieges durch Präsident Putin unterstützen. Bei der Forderung nach Rückgabe der annektierten Gebiete sinkt die Zustimmung jedoch auf 35 Prozent, während 51 Prozent dies ablehnen. Allerdings hat sich die Haltung in Bezug auf Gebietsrückgaben in den letzten anderthalb Jahren verändert: Die Zustimmung stieg um sieben Prozentpunkte, die Ablehnung sank um 13 Prozentpunkte und erreichte den niedrigsten Stand seit Beginn der Befragungsreihe. Ältere Menschen und Einwohner Moskaus widersprechen einer Rückgabe der Gebiete am häufigsten.
Laut der Umfrage unterstützen weiterhin 70 Prozent das Vorgehen der russischen Streitkräfte. Die Haltung divergierte je nach Altersgruppe und Wohnort, wobei Männer und ältere Menschen in Moskau überdurchschnittlich häufig für weitere Kämpfe plädierten.
Unsere Lesart ist, dass die Distanzierung von Marine Le Pen von Moskau möglicherweise eine Reaktion auf die sich verändernde öffentliche Meinung in Russland ist, die in der Umfrage des Lewada-Zentrums erkennbar ist. Die wachsende Unterstützung für Friedensgespräche in Russland, auch wenn sie an Bedingungen geknüpft ist, könnte Le Pen dazu veranlassen, ihre Position zu überdenken und sich von ihrem früheren Verbündeten zu distanzieren. Wir sehen eine potenzielle Verschiebung in der französischen Außenpolitik, die durch die interne Dynamik in Russland beeinflusst wird.
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