Die Grünen haben ihre bisherige Strategie im Umgang mit der AfD als unzureichend bewertet und eine Kurskorrektur gefordert. In einem internen Papier, das dem SPIEGEL vorliegt, räumen die Fraktionsvorsitzenden Katharina Dröge und Britta Haßelmann ein, dass alle bisherigen Versuche, der AfD etwas entgegenzusetzen, gescheitert sind und dass auch die Grünen eine Mitverantwortung für den Aufstieg der Partei tragen. Sie kritisieren, dass das Werben für die Rettung der Demokratie für viele Bürgerinnen und Bürger abstrakt und weit entfernt wirkt und dass die Partei oft als Verteidiger des Status quo wahrgenommen wird. Ein zentraler Grund für das geschwächte Vertrauen in das politische System sei die mangelhafte Aufarbeitung der Corona-Pandemie. Die Grünen fordern spürbare Lösungen für die Menschen, insbesondere in strukturschwachen Regionen, und bieten der schwarz-roten Koalition eine Zusammenarbeit an. Sie verweisen auf ihr Einverständnis zum Sondervermögen als Beispiel für die Bereitschaft, über Wahlperioden hinaus zu denken und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten.
Die Fraktionsvorsitzenden betonen, dass die bisherige Strategie, sich auf die Verteidigung der Demokratie zu konzentrieren, nicht mehr ausreicht, um Wählerinnen und Wähler zu erreichen. Viele Menschen empfinden die Argumentation als weltfremd und sehen in der Politik keine Verbesserung ihrer Lebenssituation. Die Grünen erkennen an, dass sie in der Vergangenheit Fehler gemacht haben und dass eine neue Strategie notwendig ist, um das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen. Sie schlagen vor, sich stärker auf konkrete Probleme und Lösungen zu konzentrieren und die Bürgerinnen und Bürger aktiv in den politischen Prozess einzubeziehen.
Die Analyse der Grünen zeigt, dass die Versprechen der AfD in strukturschwachen Regionen besonders gut ankommen, da sich die Menschen dort von der Politik vergessen fühlen. Um dem entgegenzuwirken, müssen alle demokratischen Parteien gemeinsam daran arbeiten, das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger zurückzugewinnen und spürbare Verbesserungen in ihrem Alltag zu erreichen.
Unsere Einschätzung ist, dass die Grünen ihre bisherige Herangehensweise an die AfD als ineffektiv erkannt haben und eine strategische Neuausrichtung suchen. Sie geben intern zu, dass ihre bisherigen Bemühungen gescheitert sind und sie eine Mitschuld am Aufstieg der AfD tragen. Die Partei scheint zu erkennen, dass ihre Botschaften nicht bei den Wählern ankommen, insbesondere in strukturschwachen Regionen, und dass eine stärkere Fokussierung auf konkrete Probleme und Lösungen notwendig ist, um das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen.
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