Die Autoindustrie intensiviert ihre Lobbyarbeit in Brüssel und sucht dabei verstärkt die Nähe zu rechtsextremen Parteien, um das geplante Aus für Verbrennungsmotoren in der EU aufzuweichen. Eine Auswertung des EU-Transparenzregisters zeigt, dass Vertreter von Stellantis, ACEA, Volkswagen und BMW in der aktuellen Legislaturperiode seit Sommer 2024 mindestens 26 Treffen mit Abgeordneten der Fraktion „Patrioten für Europa“ (PfE) hatten, zu der unter anderem der Rassemblement National aus Frankreich gehört. Nina Katzemich von LobbyControl merkte an, dass Lobbytreffen mit Parteien rechts der Mitte in Brüssel zunehmend als normales politisches Instrument gelten, um Interessen durchzusetzen. ACEA erklärte, man tausche sich mit allen zuständigen Parlamentariern aus, um den Standpunkt der Branche zu erläutern. BMW betonte, dass Abgeordnete der PfE lediglich auf dem Automobilsalon in Brüssel nach Informationen zur Unternehmensposition gefragt hätten, während Stellantis angab, Gespräche mit politischen Entscheidungsträgern aus dem gesamten politischen Spektrum zu führen, auch in Ländern, in denen rechte Parteien regieren. Die EU-Kommission hatte Ende 2025 vorgeschlagen, das für 2035 beschlossene Verbrenner-Aus zu lockern. Die größte Fraktion im EU-Parlament, die EVP, strebt eine noch weitergehende Lockerung an, benötigt dafür aber möglicherweise die Unterstützung von Sozialdemokraten und Liberalen, was angesichts der bisherigen Mehrheitsverhältnisse fraglich ist. EVP-Fraktionschef Manfred Weber äußerte den Wunsch nach einer stabilen und klaren Einigung in der politischen Mitte. Es bleibt abzuwarten, ob die EVP eine Mehrheit für ihre Pläne findet, da sie in anderen Politikfeldern bereits auf die Stimmen extremer Rechter angewiesen war.
Unsere Einschätzung ist, dass die Automobilindustrie versucht, durch Lobbyarbeit bei hard-right Parteien im EU-Parlament Zugeständnisse in Bezug auf das geplante Aus für Verbrennungsmotoren zu erreichen. Die Tatsache, dass sowohl große Konzerne als auch Branchenverbände Kontakte zu dieser Fraktion pflegen, deutet auf eine bewusste Strategie hin, um den politischen Druck zu erhöhen. Die EVP scheint zwar eine Lockerung anzustreben, benötigt dafür aber möglicherweise unerwünschte Unterstützung, was ihre Verhandlungsposition schwächt.
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