Die proeuropäische Partei des lettischen Ministerpräsidenten Andris Kulbergs, die Vereinigte Liste, hat die Parlamentswahl in Lettland mit 35,4 Prozent der Stimmen gewonnen und damit ihr Ergebnis im Vergleich zur vorherigen Wahl mehr als verdreifacht. Die Wahl war geprägt von Sicherheitsbedenken und sozialpolitischen Problemen, wobei auch populistische Kräfte Zugewinne verzeichneten. Die Partei "Lettland an erster Stelle" erreichte 13,2 Prozent, gefolgt von "Souveräne Macht" mit 11,8 Prozent, wobei beide Parteien voraussichtlich bei der russischsprachigen Minderheit besonders gut abschnitten. Kulbergs’ bisherige Koalitionspartner, die Nationale Allianz und Jauna Vienotiba, schaffen nur knapp den Einzug ins Parlament, was neue Koalitionsverhandlungen erforderlich macht. Die Wahlbeteiligung lag bei 51,8 Prozent. Kulbergs hatte im Wahlkampf die Verteidigungsausgaben bei fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts belassen wollen, während seine Konkurrenten ein Ende der Ukraine-Hilfe forderten. Lettland investiert stark in seine Sicherheit, was zu Einschränkungen in anderen Bereichen wie dem Gesundheitswesen führt. Die wirtschaftliche Situation ist angespannt, mit hohen Preisen, niedrigen Gehältern und Abwanderung.
Die Stärkung der nationalen Sicherheit war ein zentrales Thema im Wahlkampf, da Lettland an Russland und Belarus grenzt und die Sorge vor russischer Aggression besteht. Die baltischen Staaten warnen vor hybriden Angriffen und Sabotageakten, während westliche Regierungsvertreter einen direkten Angriff auf Lettland derzeit für unwahrscheinlich halten. Die Regierung in Moskau wies die Vorwürfe als unbegründet zurück. Kulbergs betonte die Bedeutung einer starken Außengrenze Europas.
Obwohl Kulbergs’ Partei einen klaren Sieg errang, muss er nun neue Koalitionspartner suchen. Eine Zusammenarbeit mit der populistischen Partei "Lettland Zuerst" ist ausgeschlossen. Die Progressiven und die Souveräne Macht könnten mögliche Koalitionspartner sein. Die Zukunft der Regierungskoalition und die Umsetzung der politischen Ziele von Kulbergs hängen von den Ergebnissen der Koalitionsverhandlungen ab.
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