Mehrere Migrantenorganisationen haben Bund und Länder aufgefordert, Vorkehrungen für den Fall einer AfD-geführten Regierung in Sachsen-Anhalt zu treffen. In einem offenen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder warnen die Türkische Gemeinde in Deutschland, die Bundeskonferenz der Migrantenorganisationen, der Dachverband der Migrantenorganisationen in Ostdeutschland und das Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (LAMSA) vor einer möglichen Gefährdung von Minderheiten. Sie verweisen auf zunehmende Ablehnung und Hass seit den Wahlerfolgen der AfD, einschließlich Hassmails und Bedrohungen gegen Mitarbeiter und Organisationen. LAMSA verzeichnete allein in diesem Jahr 85 Beratungsfälle zu rassistischen Bedrohungen, mehr als im Vorjahr.
Die Verbände fordern konkret die Einrichtung einer Bund-Länder-Kommission zum Schutz von Minderheiten, um Gefährdungen durch eine AfD-Regierung zu identifizieren und Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Zudem wird die Aufhebung von Wohnsitzauflagen für Asylsuchende gefordert, um diesen die Möglichkeit zu geben, in andere Bundesländer zu ziehen, wenn sie an ihrem Wohnort rassistische Gewalt fürchten. Ein staatlicher Schutzfonds soll bedrohte gemeinnützige Einrichtungen und Beratungsstellen unterstützen. Die Organisationen verweisen auf einen Schutzfonds in Höhe von 22 Millionen Euro, der nach dem antisemitischen Anschlag in Halle 2019 für den Schutz jüdischer Einrichtungen bereitgestellt wurde.
Die Forderungen werden im Vorfeld der Ministerpräsidentenkonferenz am Donnerstag erhoben, um Einfluss auf die politische Debatte zu nehmen. Die Verbände betonen, dass die Gefährdung der Demokratie zwar in aller Munde sei, die Betroffenen jedoch die Ablehnung und den Hass im Alltag selbst spüren würden. Betroffen seien neben Juden und Muslimen auch Sinti und Roma, queere Menschen sowie Menschen mit Migrationsgeschichte.
Unsere Einschätzung ist, dass die Migrantenverbände mit ihrem Appell an die Bundesregierung und die Länder eine akute Bedrohungslage für Minderheiten in Sachsen-Anhalt sehen, falls die AfD die Regierungsverantwortung übernehmen sollte. Die Verbände dokumentieren eine Zunahme von Hass und Bedrohungen, was auf eine Eskalation der Ablehnung gegenüber bestimmten Gruppen hindeutet. Die Forderung nach einer Bund-Länder-Kommission und einem Schutzfonds zeigt, dass sie eine proaktive Reaktion der Politik erwarten, um die Sicherheit der Betroffenen zu gewährleisten und die demokratischen Werte zu schützen.
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