Mercedes-Benz plant, die Möglichkeit zum Homeoffice weitgehend abzuschaffen und führt eine neue Regelung ein, die bis zu vier Präsenztage pro Woche im Büro vorschreibt. Diese Entscheidung kommt vor dem Hintergrund einer „Produktivitätsoffensive“, die auf den Gewinneinbruch aufgrund eines schwachen China-Geschäfts und erhöhter US-Zölle reagiert. Das Unternehmen strebt niedrigere Arbeitskosten am deutschen Hochlohnstandort an, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Laut einem Bericht des NTV wurde eine Vereinbarung mit dem Betriebsrat erzielt, die die Anwesenheit am Arbeitsplatz „deutlich verbindlicher“ regelt. Die neue Vereinbarung ermöglicht es Führungskräften, Vollzeitbeschäftigten bis zu vier Präsenztage pro Woche ohne Begründung festzulegen, wobei diese vier Tage zum neuen Standard werden sollen.
Zusätzlich zu den Änderungen beim Homeoffice strebt Vorstandschef Ola Källenius eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit von 35 Stunden bei gleichbleibender Bezahlung an. Medienberichten zufolge erwägt Mercedes auch Kürzungen bei Urlaubs- und Weihnachtsgeld, was das Unternehmen jedoch nicht bestätigt. Die Beschäftigten hatten bereits gegen eine Verlängerung der Arbeitszeit protestiert, und Verhandlungen mit dem Betriebsrat blieben bisher ohne Ergebnis. Das Management erhöhte den Druck, indem es auf Betriebsversammlungen mit der Schließung von zwei Werken in Deutschland drohte, sollten die Arbeitskosten nicht gesenkt werden. Der Betriebsrat kündigte Widerstand gegen diese Drohung an, zeigte sich aber gesprächsbereit.
Die neue Betriebsvereinbarung soll am 1. Januar 2027 in Kraft treten, nachdem sie von den Betriebsräten der Standorte genehmigt wurde. Die Sozialpartner hatten seit dem vergangenen Jahr über eine Neuregelung des mobilen Arbeitens diskutiert. Laut Spiegel de wird das Klima bei Mercedes rauer, da der Konzern neben der Reduzierung des Homeoffice auch die Arbeitszeit erhöhen und mit Werkschließungen droht.
Unsere Lesart ist, dass Mercedes-Benz unter erheblichem wirtschaftlichem Druck steht und versucht, durch drastische Maßnahmen die Rentabilität zu steigern. Die Reduzierung des Homeoffice und die Androhung von Werkschließungen deuten auf eine Verschärfung der Arbeitsbedingungen hin, während die Forderung nach einer Erhöhung der Arbeitszeit und mögliche Kürzungen bei Sonderzahlungen die Mitarbeiter zusätzlich belasten dürften. Es scheint, dass das Management bereit ist, einen Konflikt mit dem Betriebsrat zu riskieren, um seine Ziele zu erreichen.
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