In Frankreich haben am Donnerstag über 250.000 Menschen an einem Generalstreik teilgenommen, der von Gewerkschaften organisiert wurde, um höhere Löhne und Verbesserungen im Bildungswesen zu fordern. Das Innenministerium zählte gegen 13 Uhr rund 270.000 Demonstranten im ganzen Land, während die Gewerkschaften von bis zu 700.000 Teilnehmern in zahlreichen Städten und zusätzlichen 80.000 in Paris ausgingen. Der Streik richtet sich hauptsächlich gegen die Forderung nach einem höheren Mindestlohn, wobei Gewerkschaftschefin Marylise Léon betonte: „Wir wollen von unserer Arbeit vernünftig leben können“. Schüler blockierten mit Mülltonnen und Absperrgittern zahlreiche Schulen, wobei nach Gewerkschaftsangaben knapp 1000 der insgesamt 3700 Oberschulen betroffen waren. Die Regierung meldete 81 blockierte Schulen und eine Streikbeteiligung von 16 Prozent bei den Lehrkräften. Auch jede dritte Hochschule war von Protestaktionen betroffen. Eine 15-jährige Schülerin aus Straßburg, Luce, beklagte die langen Schultage in Frankreich im Vergleich zu anderen Ländern, während eine 17-jährige, Luna, die kalten Schulräume und die defekte Heizung kritisierte. In Paris bleibt der Eiffelturm aufgrund des Streiks geschlossen, und zahlreiche Regionalzüge fallen aus. Die Behörden haben in mehreren Städten Kundgebungen verboten, um Plünderungen zu verhindern, nachdem bei Ausschreitungen in den vergangenen Wochenenden rund 3000 Geschäfte beschädigt oder geplündert worden waren. In Toulouse wollen Gewerkschaften trotz Verbots durch die Innenstadt ziehen. Entlang der Demonstrationsstrecke in Paris haben zahlreiche Geschäfte ihre Schaufenster mit Spanplatten vernagelt. Das Innenministerium hat den Einsatz von 70.000 Sicherheitskräften angekündigt, nachdem Minister Laurent Nuñez eingeräumt hatte, dass die Sicherheitskräfte bei den schlimmsten Ausschreitungen überfordert gewesen seien. Er beschrieb eine „bislang nicht dagewesene Mischung“ verschiedener Gruppen, darunter Gewerkschaften, Gelbwesten, linksradikale Randalierer, Kriminelle und junge Plünderer. Eine Änderung der Strategie oder eine reduzierte Bewaffnung der Sicherheitskräfte lehnte Nuñez jedoch ab, da sich die Sicherheitskräfte verteidigen müssten, wenn sie angegriffen werden.
Unsere Einschätzung ist, dass dieser Generalstreik nicht nur eine Reaktion auf die Forderung nach höheren Löhnen und besseren Bildungsbedingungen ist, sondern auch Ausdruck einer tieferliegenden Unzufriedenheit mit der Wirtschafts- und Haushaltspolitik der Regierung. Die Berichte über die vielfältige Zusammensetzung der Demonstranten, von Gewerkschaftsmitgliedern bis hin zu „Gelbwesten“ und Randalierern, deuten darauf hin, dass es sich um eine komplexe soziale Bewegung handelt, die schwer zu kontrollieren sein könnte. Die verstärkte Präsenz von Sicherheitskräften und die Versuche, Plünderungen zu verhindern, unterstreichen die angespannte Lage und die Gefahr einer weiteren Eskalation.
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