Die AfD macht Kompromisslosigkeit zum politischen Programm, doch auch andere Parteien zeigen wenig Bereitschaft zu Zugeständnissen, was die demokratischen Prozesse erschwert. In Sachsen-Anhalt weigert sich der Wahlsieger Ulrich Siegmund, von seinem „Regierungsprogramm“ abzuweichen, was Koalitionsgespräche unmöglich macht. Diese Haltung der AfD unterscheidet sich von anderen Parteien, die sich durch die sogenannte „Brandmauer“-Politik weigern, mit ihr zu verhandeln. Soziologe Armin Nassehi erklärt, dass liberale Demokratie darauf ausgelegt ist, politische Konflikte zu entschärfen, während Carl Schmitt den „Verlust des Politischen“ durch Relativierung fürchtete und Hans Kelsen auf eine „Selbstbegründung des Rechts durch Verfahren“ setzte. Ein Kompromiss erfordert die Anerkennung des Gegenübers und suspendiert Differenzen nicht, sondern gibt ihnen eine Form. Die schwarz-rote Koalition im Bund spiegelt ebenfalls die zunehmende Unversöhnlichkeit in der Gesellschaft wider. Clara Bünger von der Linken betont, dass die Schockstarre nach dem Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt denjenigen in die Hände spielt, die die Grundlagen der Demokratie abtragen wollen. Sie fordert, die Handlungsmacht zurückzugewinnen und warnt vor der Verharmlosung des Rechtsrucks, der weder mit der Gründung der AfD noch mit einem einzelnen Wahlabend begann, sondern in der Deindustrialisierung und den politischen Strategien der selbsternannten bürgerlichen Mitte wurzelt. Die Rhetorik der Ausgrenzung und das Schleifen des Sozialstaats ebnen den Weg für einen autoritären Umbau.
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