Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben die Ali-Taher-Hügelkette im Südlibanon eingenommen, einen strategisch wichtigen Punkt, der von der Hisbollah mit Tunneln und Kommandozentralen ausgebaut worden war. Gleichzeitig plant das Militär, nach der Zerstörung der Tunnelanlagen, Teile seiner Truppen aus dem Gebiet abzuziehen und eine neue „Sicherheitslinie“ im libanesischen Staatsgebiet aufzubauen, die etwa zwei bis vier Kilometer tief ins Land reichen soll. Parallel dazu soll ein vollständiger Rückzug aus dem restlichen Libanon vorbereitet werden, während Israel eine Pufferzone von zehn Kilometern Breite und 600 Quadratkilometern entlang der Grenze besetzt hält.
Das Abkommen zwischen Israel und dem Libanon vom Juni sieht zunächst den Rückzug israelischer Truppen aus „Pilotzonen“ vor, deren Kontrolle dann der libanesische Armee übernehmen soll. Ein vollständiger israelischer Rückzug aus dem Libanon ist erst vorgesehen, wenn die libanesischen Streitkräfte die Kontrolle über den gesamten Südlibanon wiedererlangt haben. Die weiteren Verhandlungen sind jedoch ins Stocken geraten, und die Waffenruhe wird von beiden Seiten wiederholt gebrochen. Israel fordert von der libanesischen Armee ein härteres Vorgehen gegen die Hisbollah, die sich ihrerseits weigert, das Abkommen anzuerkennen und agiert als eine Art „Staat im Staat“.
Ein teilweiser Abzug könnte den israelischen Premierminister Netanjahu in Bedrängnis bringen. Während linke Medien die Entwicklung als Schritt in Richtung der Forderungen des Abkommens bewerten, betonen rechtsgerichtete Quellen die historischen Voraussetzungen des Konflikts und kritisieren die Berichterstattung, die Israel ins Unrecht setze. Es bleibt unklar, wie lange Israel beabsichtigt, in der verkleinerten Pufferzone zu bleiben, was eine endgültige Einigung erschweren könnte. Die israelische Armee hat eine Anfrage der taz zu dem Thema unbeantwortet gelassen und israelische Politiker halten sich bislang bedeckt. Zudem hat die israelische Armee die Bewohner von Deir Ez-Zahrani im Südlibanon aufgefordert, den Ort zu verlassen.
Originale Berichterstattung lesen
💬 Kommentare
📜 Kommentar-Richtlinie