Volkswagen hat angekündigt, zehn seiner Haustarifverträge zu kündigen, darunter den Manteltarifvertrag, der die Arbeitszeit von rund 100.000 Beschäftigten in Deutschland regelt. Die Kündigungen sollen am Mittwoch übermittelt werden und könnten frühestens ab Januar 2027 wirksam werden. Laut IG Metall sollen Vereinbarungen zu Zusatzvergütungen und Ausbildungen betroffen sein. Das Unternehmen begründet die Kündigungen mit dem aktuellen Kostendruck. Die Gewerkschaft IG Metall und der Betriebsrat kündigten Widerstand gegen das Vorhaben an und sprechen von einem „üblen Foul“ und „Erpressung“. Die Friedenspflicht im Vergütungstarifvertrag endet zum Jahreswechsel, was Streiks ermöglichen könnte. Die Kündigungen haben jedoch keine Auswirkungen auf den Zukunftstarifvertrag aus dem Jahr 2024, der bis 2030 die Beschäftigung sichert. Die Arbeitnehmervertreter fordern Klarheit über die Einhaltung der Zusagen aus dem Zukunftstarifvertrag angesichts der verschärften Sparpläne.
Die Kündigung der Tarifverträge erfolgt im Rahmen von schärferen Sparmaßnahmen des Unternehmens. Betroffen ist unter anderem die tarifliche Zusatzvergütung, bei der Beschäftigte zwischen sechs zusätzlichen freien Tagen oder einer Zahlung von 27,5 Prozent eines Monatseinkommens wählen können. Thorsten Gröger, Bezirkschef der IG Metall, kritisiert, dass unternehmerische Kosten und Risiken auf die Belegschaft verlagert werden sollten, während Gewinne privatisiert würden. Daniela Cavallo, Betriebsratschefin, spricht von Erpressung und kündigt eine heftige Auseinandersetzung zum Jahreswechsel an.
Unsere Lesart ist, dass Volkswagen durch die Kündigung von Tarifverträgen versucht, den Druck auf die Gewerkschaft IG Metall zu erhöhen, um Zugeständnisse im Sinne des Unternehmens zu erzielen. Die Betonung des Kostendrucks dient als Begründung, doch die Reaktion der IG Metall deutet darauf hin, dass es sich um mehr als nur eine Anpassung an wirtschaftliche Realitäten handelt. Die unterschiedliche Gewichtung der Berichterstattung in verschiedenen Medien zeigt, dass die Kündigungen als sowohl als aggressive Sparmaßnahme als auch als Verhandlungsstrategie interpretiert werden können.
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