Spanische Nachrichtendienste warnten die marokkanischen und Ceuta-Behörden am Tag vor dem Einströmen von etwa 72.000 Menschen in das spanische Gebiet Ceuta am 30. und 31. Juli vor geplanten Massenmigrationen, wie aus neu freigegebenen Regierungsdokumenten hervorgeht. Die Warnungen, die in Form von Notizen an den marokkanischen Geheimdienst und spanische Beamte übermittelt wurden, beschrieben Aktivitäten in sozialen Medien in WhatsApp- und Facebook-Gruppen, die einen koordinierten Versuch, die Grenze zu überqueren, insbesondere am Thronfesttag Marokkos, förderten. Der spanische Premierminister Pedro Sánchez hatte zuvor erklärt, es habe keine Hinweise auf das „Ausmaß“ des Zustroms gegeben, eine Aussage, die nun durch die veröffentlichten Dokumente widerlegt wird.
Der CNI, der Nationale Nachrichtendienst Spaniens, berichtete, dass etwa 180.000 Menschen Nachrichten erhielten, die Migranten ermutigten, „sowohl schwimmend als auch über den [Grenzzaun]“ die Grenze zu überqueren, wobei in einer Nachricht stand: „Wer überqueren möchte, hat am Thronfesttag um 8 Uhr die letzte Chance, die Behörden werden durch die Feierlichkeiten und Paraden abgelenkt.“ Mindestens 100 Menschen starben bei der Überquerung, und bis zu 5.000 bleiben in Ceuta in provisorischen Lagern oder auf den Straßen, was zu lokalen Unruhen führte. Sánchez besteht darauf, dass es keine Beweise für die Komplizenschaft Marokkos bei der Erleichterung der Überquerungen gibt. Ein vor zwei Wochen durchgesickerter Polizeibericht deutete auf die Beteiligung der marokkanischen Polizei hin.
Sowohl linke als auch rechte Medien betonen den Widerspruch zwischen den Aussagen von Sánchez und den Geheimdienstberichten. GB News betont die Beharrung des Premierministers, dass der Ansturm unerwartet kam, und weist gleichzeitig auf Berichte über einen Anstieg der sexuellen Übergriffe nach dem Zustrom hin. Die BBC berichtet, dass die Oppositionsparteien die Regierung beschuldigen, die Öffentlichkeit in die Irre geführt zu haben. Während der spanische Außenminister José Manuel Albares darauf besteht, dass die Dokumente keine Warnung vor dem Grenzandrang zeigten, erklärte Ester Muñoz von der Volkspartei: „Sie hatten die Informationen, sie sind direkt für die Invasion von Ceuta und für die Todesopfer verantwortlich.“ Die langfristigen Auswirkungen des Zustroms und das Ausmaß der marokkanischen Beteiligung bleiben ungeklärt, trotz des wachsenden Drucks auf Sánchez, ein vollständiges Bild der Ereignisse zu liefern.
Originale Berichterstattung lesen
💬 Kommentare
📜 Kommentar-Richtlinie