Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair reduziert ihr Flugangebot in Deutschland im kommenden Winterflugplan um zehn Prozent, was rund 700.000 Sitzplätze weniger bedeutet. Besonders stark betroffen ist der Flughafen Berlin-Brandenburg (BER), wo Ryanair seine Basis zum 24. Oktober schließt und etwa die Hälfte des bisherigen Angebots entfällt. Zwölf Strecken, darunter Verbindungen nach Gran Canaria, Palermo und Thessaloniki, werden eingestellt. Auch der Flughafen Bremen wird Ryanair vollständig verlassen, was zu einem jährlichen Passagierverlust von 400.000 bis 500.000 entspricht und mehr als ein Viertel des gesamten Passagieraufkommens ausmacht. Ryanair begründet die Kürzungen mit hohen Flughafengebühren und der deutschen Luftverkehrsteuer.
Der Bremer Senat wirft Ryanair vor, unzumutbare Konditionen für Flughafenentgelte gefordert zu haben, die einer nahezu kostenfreien Nutzung der Infrastruktur entsprachen. Dies hätte zu einem Verlustgeschäft für den Flughafen geführt und wäre rechtlich unzulässig gewesen. Verhandlungen, auch am Firmensitz in Dublin, blieben erfolglos. Ryanair kritisiert seit Monaten die hohen Standortkosten in Deutschland, insbesondere die Luftverkehrsteuer sowie Gebühren für Luftsicherheit und Flugsicherung. Diese Entwicklung reiht sich ein in eine Reihe ähnlicher Maßnahmen an anderen deutschen Flughäfen wie Hamburg. Eddie Wilson, ein Vertreter von Ryanair, bezeichnet Berlin als größten Verlierer und erwartet höhere Flugpreise sowie eine geringere Auswahl für Passagiere. Der vollständige Rückzug von Bremen erfolgt zum Sommerflugplan 2027, wobei der reguläre Flugbetrieb bis zum 28. März 2027 aufrechterhalten bleibt.
Unsere Einschätzung ist, dass Ryanair mit den Kürzungen des Flugangebots und dem Rückzug von wichtigen Standorten wie Berlin und Bremen Druck auf die deutschen Flughäfen und die Regierung ausüben will. Die Begründung mit hohen Gebühren und der Luftverkehrsteuer wirkt wie ein strategischer Schritt, um die Kostenstruktur in Deutschland zu kritisieren und möglicherweise Zugeständnisse zu erzwingen. Es scheint, dass Ryanair bereit ist, kurzfristig auf Kapazität zu verzichten, um langfristig bessere Konditionen zu erreichen, was sich in der Erwartung höherer Flugpreise für Passagiere widerspiegelt.
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