In Russland hat am Freitag die Wahl zur Staatsduma, dem Unterhaus des Parlaments, begonnen und wird bis Sonntag in elf Zeitzonen durchgeführt. Obwohl der Sieg der Regierungspartei „Einiges Russland“ als sicher gilt, wird die Wahl von Beobachtern als Stimmungstest für Präsident Putin gewertet, dessen Beliebtheitswerte sinken. Die Wahl findet auch in den von Russland kontrollierten Teilen der ukrainischen Regionen Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson sowie auf der Krim statt, was international kritisiert wird. Die einzige unabhängige Oppositionskraft, die Jabloko-Partei, wurde aufgrund ihrer Antikriegshaltung von der Wahl ausgeschlossen, und die letzte unabhängige Wahlbeobachtungs-Organisation musste ihre Arbeit einstellen. Laut Umfragen unterstützen zwar 68 Prozent der Bevölkerung die Armee, jedoch 59 Prozent Friedensverhandlungen. Putin stellt die Wahl als Zeichen der Einheit Russlands und als Unterstützung für den Krieg in der Ukraine dar. Im Wahlkampf werden auch Kandidaten mit Verbindungen zu Kriegsverbrechen beworben, wie beispielsweise Eduard Schonow, ein Kriegsteilnehmer, der für „Einiges Russland“ kandidiert und dem Kommando einer Einheit zugerechnet wird, die in Butscha mutmaßlich Zivilisten ermordet hat. Politologin Ekaterina Schulmann, die im Exil lebt, geht von einer Zweidrittelmehrheit für „Einiges Russland“ aus und weist darauf hin, dass die Behörden genau beobachten, wer an der Wahl teilnimmt. Der CDU-Außenpolitiker Hardt bezeichnet die Wahl als Farce und sieht darin einen Versuch, angesichts sinkender Zustimmungswerte ein Ergebnis für die Putin-Partei zu erzielen. Die Wahl soll eine Normalität vortäuschen und zeigen, dass die Situation unter Kontrolle sei.
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