Während sich Israel auf die Wahlen am Dienstag vorbereitet, ist der Wahlkampf weitgehend zu einem Referendum über die lange Amtszeit von Premierminister Benjamin Netanjahu geworden, wobei sich der Herausforderer Gadi Eisenkot als Alternative positioniert. Nach fast drei Jahrzehnten in der israelischen Politik, darunter 19 Jahre als Premierminister, ist Netanjahus Dominanz so groß, dass sich fast jede politische Figur in Bezug auf ihn definiert. Eisenkot, ein ehemaliger Generalstabschef, kandidiert mit einer Plattform aus „Integrität“ und „Verantwortung“ und kontrastiert sich implizit mit Netanjahu, den sowohl Anhänger als auch Gegner als einen geschickten, aber oft machiavellistischen Politiker anerkennen.
Während Eisenkots Wahlkampf die Charisma Netanjahus vermissen lässt, sagen Unterstützer, dies betone seinen Fokus auf Taten statt auf Rhetorik. Noa Sadeh, 56 Jahre alt, erklärte, sie habe „genug von Leuten, die gut reden können“ und wolle jemanden, der „die Arbeit erledigt“. Oberst a.D. David Nadler, der unter Eisenkot diente, betonte die Bedeutung von „Integrität“, was bedeutet, dass Eisenkot „etwas sagt, er meint es ernst, er wird es tun“.
Die politische Landschaft ist nicht entlang traditioneller Links-Rechts-Linien gespalten, sondern in „Bibi- und Anti-Bibi-Blöcke“. Sogar Figuren der nationalistischen Rechten, wie Naftali Bennett und Avigdor Lieberman, die zuvor eng mit Netanjahu zusammenarbeiteten, sind nun in der Opposition. Einige der harten Rechten, wie Yishai Fleisher von Otzma Yehudit, räumen Netanjahus Tendenz ein, nach links abzubiegen, und sehen ihre Rolle darin, ihn zurück nach rechts zu ziehen und eine weitere jüdische Besiedlung im Westjordanland zu befürworten.
Nach den Angriffen vom 7. Oktober versucht Netanjahu, sich als falkenhafter Führer zu positionieren, eine Abkehr von seinem bisherigen Image. Die Wahl wird zeigen, ob die Wähler diese Neuerfindung akzeptieren.
Unsere Einschätzung ist, dass es bei diesen Wahlen im Grunde um die Bewertung von Netanjahus Führung geht, sowohl historisch als auch im Nachgang der Angriffe vom 7. Oktober. Eisenkots Auftauchen als Herausforderer basiert nicht auf einer ausgeprägten ideologischen Plattform, sondern vielmehr auf einem wahrgenommenen Mangel an „Integrität“ und effektivem Handeln seitens des langjährigen Premierministers. Die Spaltung der politischen Landschaft in „Bibi- und Anti-Bibi-Blöcke“ deutet auf eine stark personalisierte Wahl hin, bei der politische Unterschiede zweitrangig gegenüber Meinungen über Netanjahu selbst sind. Worauf man achten sollte Die offiziellen Wahlergebnisse am Dienstag, um festzustellen, ob Netanjahus Versuch, sich als falkenhafter Führer neu zu positionieren, erfolgreich war [Wahlergebnisberichterstattung]. Ob Eisenkot die Anti-Netanjahu-Wähler erfolgreich konsolidieren kann, angesichts der unterschiedlichen Ideologien innerhalb dieses Blocks [Analyse der Stimmenverteilung nach der Wahl]. Alle Äußerungen von Naftali Bennett oder Avigdor Lieberman bezüglich potenzieller Koalitionsverhandlungen, da ihre Opposition gegen Netanjahu bemerkenswert ist [israelische Medien].
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