In dem ostdeutschen Bundesland Sachsen-Anhalt hat am Sonntag die Wahl begonnen, die dazu führen könnte, dass die Alternative für Deutschland (AfD) als erste rechtsextreme Partei seit dem Zweiten Weltkrieg auf Landesebene die Macht übernimmt. Die AfD, angeführt von dem 35-jährigen Ulrich Siegmund, liegt seit Monaten in den Umfragen vorn, wobei aktuelle Erhebungen die Partei bei knapp über 40 Prozent und die Christlich Demokratische Union (CDU) bei 23 Prozent sehen. Siegmund sagte am Samstagabend auf einer Abschlusskundgebung: „Egal, wie das Ergebnis der morgigen Wahl ausfällt, wir haben bereits Geschichte geschrieben… was wir hier in Sachsen-Anhalt begonnen haben… kann nicht mehr aufgehalten werden.“
Eine absolute Mehrheit würde der AfD ermöglichen, die seit langem bestehende „Schutzwall“-Politik der etablierten Parteien, die eine Regierungsbeteiligung mit ihr ablehnen, zu umgehen. Das Erreichen einer absoluten Mehrheit gilt jedoch aufgrund des deutschen Verhältniswahlrechts, das Koalitionsregierungen begünstigt, als schwierig. Sollte die AfD knapp scheitern, ist eine von der CDU unter dem amtierenden Ministerpräsidenten Sven Schulze geführte Regierung das wahrscheinlichste Ergebnis, was wochenlange Koalitionsverhandlungen zur Folge haben könnte.
Bundeskanzler Friedrich Merz hat versucht, die Popularität der AfD zu kontern, indem er eine härtere Linie in Bezug auf Migration und Sicherheit einnimmt. Die AfD plant, Schulen und kulturelle Einrichtungen stärker auf traditionelle Werte auszurichten, Einwanderer zu marginalisieren und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu reformieren, sollte sie gewinnen. Der Landesverfassungsschutz hat die AfD als „rechtsextremistisch“ eingestuft, was ihre Regierungsfähigkeit selbst bei Gewinnen von Sitzen beeinträchtigen könnte. Siegmund hat jegliche Koalition mit anderen Parteien ausgeschlossen und argumentiert, dass eine Regierung mit Mainstream-Politikern, die „Deutschland zugrunde gerichtet haben“, unmöglich sei. Rund 1,7 Millionen Wahlberechtigte waren bis 18:00 Uhr berechtigt, ihre Stimme abzugeben. Erste Ergebnisse werden kurz nach Schließung der Wahllokale erwartet, wobei die Landeswahlleiter ab Mittag erste Schätzungen zur Wahlbeteiligung veröffentlichen werden.
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