Die Bundesanwaltschaft hat Anklage gegen Ilona W., eine 57-jährige Deutsch-Ukrainerin, wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit für Russland erhoben. Die 74-seitige Anklageschrift wirft ihr vor, seit November 2023 einen als Vizeattaché getarnten Offizier des russischen Militärgeheimdienstes GRU mit sensiblen Informationen versorgt zu haben. Andrej M., der mutmaßliche Agentenführer, hat Deutschland inzwischen verlassen. Ilona W. soll gezielt Informationen über Teilnehmer politischer Veranstaltungen wie den „NATO-Talk“ im November 2023 und das Deutsch-Ukrainische Wirtschaftsforum im Dezember 2023 gesammelt haben, bei letzterem saß sie in unmittelbarer Nähe von Bundeskanzler Friedrich Merz und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Darüber hinaus wird ihr vorgeworfen, im Februar 2024 ihren Agentenführer unter falschem Namen in eine Versammlung von Bundeswehrreservisten eingeschleust zu haben. W. betrieb neben ihrer PR-Firma einen Verein zur Völkerverständigung und pflegte Kontakte zu Politikern und Diplomaten. Ihre Verteidigung kritisiert die weite Auslegung des Straftatbestandes der geheimdienstlichen Agententätigkeit. Ein Prozess vor dem Staatsschutzsenat des Berliner Kammergerichts wird erwartet. Recherchen legen nahe, dass der GRU auch hinter dem gescheiterten Drohnenanschlag in Leipzig stecken könnte. Ilona W. hatte laut Bild einen Bundestagsausweis und war Gast bei Veranstaltungen von Ministerien und Botschaften. Die Frage, inwieweit die gesammelten Informationen tatsächlich dem russischen Geheimdienst zugespielt wurden und welche konkreten Auswirkungen dies auf die deutsche Sicherheit hatte, bleibt offen.
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