Führende deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Wachstumsprognose für das Jahr 2026 auf 1,3 Prozent verdoppelt, erwarten jedoch für 2028 nur noch ein geringes Wachstum von 0,4 Prozent. Die Institute führen das moderate Wachstum vor allem auf erhöhte Ausgaben für Verteidigung und Rüstung zurück. Für 2027 sagen sie ein Wachstum von 1,1 Prozent voraus. Im Frühjahr hatten die Institute für 2026 noch ein Wachstum von 0,6 Prozent und für 2027 von 0,9 Prozent erwartet. Die Gemeinschaftsdiagnose, erstellt vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), dem Ifo-Institut, dem Kiel Institut für Weltwirtschaft, dem Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) und dem RWI, sieht einen Aufschwung, der jedoch auf einem schmalen Fundament steht. Hohe Energiepreise und strukturelle Probleme belasten die Wirtschaft weiterhin. Die Erholung wird durch eine Belebung der Exporte und die expansive Finanzpolitik der Bundesregierung mit schuldenfinanzierten Töpfen für Infrastruktur und Verteidigung getragen. Auch ein Boom rund um Künstliche Intelligenz (KI) könnte zusätzliche Impulse bringen. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) rechnet mit einem ähnlichen, wenn auch leicht geringeren Wirtschaftsaufschwung, mit einem Wachstum von 1,1 Prozent für dieses und nächstes Jahr. Der Ausblick bleibt jedoch durch den Konflikt im Nahen Osten mit erheblichen Unsicherheiten behaftet. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sieht Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung, betont aber die Notwendigkeit von Reformen. Die Institute warnen, dass die Kapazitäten der Unternehmen zunehmend an ihre Grenzen stoßen könnten und der Spielraum für den Bundeshaushalt in den kommenden Jahren enger wird.
Unsere Einschätzung ist, dass die revidierten Wachstumsprognosen ein komplexes Bild zeichnen. Die kurzfristige Verbesserung wird hauptsächlich durch staatliche Ausgaben, insbesondere im Verteidigungsbereich, angetrieben, während langfristige strukturelle Probleme und externe Unsicherheiten die Nachhaltigkeit dieses Aufschwungs gefährden. Die Diskrepanz in der Betonung verschiedener Faktoren durch unterschiedliche Medien deutet darauf hin, dass es keine einheitliche Interpretation der zugrunde liegenden Kräfte gibt.
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