Die Pflegekassen in Deutschland sehen sich mit einem wachsenden Finanzloch konfrontiert und erwarten bis Jahresende ein Defizit von 1,2 Milliarden Euro, zusätzlich zu bereits erhaltenen Bundesdarlehen von 3,2 Milliarden Euro. Oliver Blatt, Chef des GKV-Spitzenverbands, warnt vor einer akuten Notlage in der Pflege und fordert sowohl kurzfristige finanzielle Unterstützung durch den Bund als auch eine rasche Umsetzung der geplanten Pflegereform. Die Ausgaben der Pflegeversicherung stiegen im ersten Halbjahr um elf Prozent auf 39,5 Milliarden Euro, während die Beitragseinnahmen nur um 3,9 Prozent zunahmen. Haupttreiber für die steigenden Kosten ist die wachsende Zahl von Pflegebedürftigen, die sich seit 2017 von drei auf sechs Millionen fast verdoppelt hat. Dies liegt nicht nur an der Alterung der Gesellschaft, sondern auch an einer großzügigeren Ausgestaltung des Zugangs zur Pflege durch die Politik, die von der Wissenschaft als überzogen kritisiert wird. Blatt betonte, dass die Pflegeleistungen weiterhin gewährleistet seien, auch wenn die soziale Pflegeversicherung „aus dem letzten Loch“ pfeife. Er rechnet damit, dass der Bund im Bedarfsfall eine schnelle Liquidität bereitstellen wird. Die Finanznot der Pflegekassen wird voraussichtlich für Beitragszahler, Steuerzahler und Pflegebedürftige spürbar werden. Im kommenden Jahr wird eine Lücke von zehn Milliarden Euro erwartet. Die Bundesregierung bereitet derzeit eine Pflegereform vor, die Ausgabenbremsen und Mehreinnahmen vorsieht, um Beitragserhöhungen zu vermeiden. Blatt warnte jedoch, dass die Finanzprobleme größer werden, solange die Ausgaben schneller steigen als die Einnahmen.
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