Bundeskanzler Friedrich Merz hat während einer Asienreise in Tokio die Gründung einer neuen politischen Allianz für einen regelbasierten Welthandel vorgeschlagen. Ziel sei es, internationale Handelsabkommen zu verteidigen, zu stärken und weiterzuentwickeln sowie gemeinsam auf Regelverletzungen oder wirtschaftlichen Zwang zu reagieren, ohne die Welthandelsorganisation (WTO) zu ersetzen, sondern deren Reformen voranzutreiben. Merz befürwortet zudem ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und der Transpazifischen Partnerschaft (CPTPP) und strebt an, Bemühungen um ein Abkommen mit der asiatischen Wirtschaftsgemeinschaft voranzutreiben.
Neben dem Handel schlug Merz eine verstärkte Rüstungskooperation mit Japan vor, insbesondere im Bereich des Kampfflugzeugbaus. Deutschland und Japan wollen prüfen, ob eine Zusammenarbeit im Rahmen des GCAP-Programms (Global Combat Air Programme) möglich ist, nachdem Deutschland das FCAS-Projekt mit Frankreich beendet hat. Diese Initiative folgt auf einen Vorstoß Merz’ in Singapur für freien Welthandel. Bundespräsident Steinmeier befindet sich derzeit in China.
Linke und zentrumsnahe Medien betonen die Notwendigkeit einer stärkeren internationalen Zusammenarbeit angesichts zunehmender protektionistischer Tendenzen, während rechtsgerichtete Medien in diesem Cluster nicht vertreten sind. Die vorgeschlagene Allianz soll als Ergänzung zur WTO dienen und bei der Lösung von Handelsstreitigkeiten helfen, insbesondere angesichts der Blockade der WTO-Berufungsinstanz. Es bleibt offen, inwieweit die Allianz tatsächlich umgesetzt werden kann und welche konkreten Länder sich daran beteiligen werden.
Unsere Lesart ist, dass Kanzler Merz mit seiner Initiative sowohl eine Reaktion auf wachsende protektionistische Strömungen als auch ein Versuch ist, Deutschlands außenpolitische und wirtschaftliche Position neu auszurichten. Die Betonung auf Handel und Rüstungskooperation mit Japan deutet auf eine Diversifizierung der Partnerschaften hin, während die gleichzeitige Hervorhebung der WTO-Reformen signalisiert, dass Deutschland nicht an einer vollständigen Abkehr von multilateralen Institutionen interessiert ist. Die fehlende Darstellung von hard-right Medien in der Berichterstattung könnte auf eine grundsätzliche Distanzierung von dieser Politik signalisieren.
Originale Berichterstattung lesen
💬 Kommentare
📜 Kommentar-Richtlinie