Die Pläne der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Kanada als erstes Land eine „assoziierte Mitgliedschaft“ in der Europäischen Union zu ermöglichen, sind kurz vor dem EU-Kanada-Gipfel in Montreal vorerst gescheitert. Bundeskanzler Friedrich Merz und mehrere andere EU-Regierungschefs sorgten dafür, dass die entsprechenden Formulierungen aus dem Entwurf der Abschlusserklärung gestrichen wurden. Stattdessen wird nun von einer „immer engeren Anbindung Kanadas an die EU“ bis zum nächsten Gipfel im kommenden Jahr gesprochen. Von der Leyen hatte die Idee im September vorgeschlagen, stieß damit aber auf Widerstand, da die Bedeutung des Sonderstatus unklar sei und die Kommission die Mitgliedsstaaten nicht ausreichend konsultiert habe. Zudem wurde argumentiert, dass der Begriff bereits im Zusammenhang mit dem EU-Beitrittsprozess der Ukraine verwendet wird. Während Kanada und die EU weiterhin eine enge Partnerschaft anstreben, insbesondere in den Bereichen Wirtschaft, Sicherheit und internationale Institutionen, wurde die ursprüngliche Vision einer „assoziierten Mitgliedschaft“ vorerst auf Eis gelegt. Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der EU und Kanada haben sich durch das Freihandelsabkommen CETA in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt, wobei Kanada wirtschaftlich stärker von der EU abhängig ist als umgekehrt. Die EU erhofft sich von Kanada unter anderem die Lieferung von seltenen Erden. Die Streichung des Begriffs „assoziierte Mitgliedschaft“ wurde von Mark Carney, dem kanadischen Premierminister, zunächst nicht als bedeutsam eingestuft; entscheidend sei, welchen Unterschied dies für die Kanadierinnen und Kanadier mache. Die EU-Staaten blockierten die Gipfelerklärung zunächst, da Merz bereits eine ähnliche Zwischenlösung für die Ukraine vorgeschlagen hatte.
Unsere Einschätzung ist, dass die ursprüngliche Idee einer „assoziierten Mitgliedschaft“ für Kanada gescheitert ist, da sie auf Widerstand innerhalb der EU stieß. Die Bedenken der Mitgliedsstaaten reichten von der unklaren Definition des Status bis hin zur mangelnden Konsultation durch die Europäische Kommission. Obwohl die EU und Kanada weiterhin eine enge Partnerschaft anstreben, deutet die Streichung der entsprechenden Formulierungen aus der Abschlusserklärung auf eine vorläufige Zurückstellung der ursprünglichen Vision hin. Die Rolle von Friedrich Merz und die Parallelen zum Ukraine-Beitrittsprozess scheinen dabei besonders relevant gewesen zu sein.
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