Der Hongkonger Demokratieaktivist Joshua Wong wurde zu einer weiteren zehnjährigen Haftstrafe verurteilt, weil er sich mit ausländischen Kräften verschworen haben soll. Das Gericht in Hongkong verhängte die Strafe am Donnerstag, womit sich seine Gesamtstrafe auf über die bereits verbüßten sechs Jahre verlängert. Wong hatte sich im September schuldig bekannt, in der Hoffnung auf eine mildere Strafe. Die Anklagepunkte umfassen die Zusammenarbeit mit dem im Exil lebenden Aktivisten Nathan Law und anderen, um ausländische Sanktionen gegen Hongkong und China zu bewegen. Wong, ein prominentes Gesicht der Demokratiebewegung, hatte bereits eine vierjährige und achtmonatige Haftstrafe im Zusammenhang mit der Vorwahl des demokratischen Lagers für das Hongkonger Parlament im Jahr 2020 erhalten. Menschenrechtsorganisationen kritisieren die wiederholten Anklagen gegen Wong als Versuch, ihn so lange wie möglich hinter Gittern zu halten. Das Urteil fällt vor dem Hintergrund des Nationalen Sicherheitsgesetzes, das Peking 2020 erlassen hat und das von Kritikern als Instrument zur politischen Repression genutzt wird. Nach dem Gesetz werden prodemokratische Aktivisten und kritische Stimmen verfolgt, viele sind ins Exil geflohen oder wurden verhaftet. Ohne das neue Verfahren wäre Wong im Januar freigelassen worden; nun wird er voraussichtlich erst Ende 2036 aus dem Gefängnis entlassen. Die Frage, inwieweit das Sicherheitsgesetz die Autonomie Hongkongs untergräbt und die prodemokratische Opposition zum Schweigen bringt, bleibt bestehen.
Unsere Lesart ist, dass das Gerichtsurteil gegen Joshua Wong ein deutliches Signal der Behörden ist, die prodemokratische Opposition in Hongkong weiterhin zu unterdrücken. Die Verlängerung seiner Haftstrafe, insbesondere angesichts der Tatsache, dass er ohne das neue Verfahren bald freigelassen worden wäre, lässt vermuten, dass es hier nicht primär um Rechtsstaatlichkeit geht, sondern um die politische Neutralisierung einer prominenten Stimme. Die Anklage wegen Verschwörung mit ausländischen Kräften dient offenbar dazu, jegliche Verbindung zu internationalen Unterstützern zu kriminalisieren und die Bewegung weiter zu isolieren.
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