Der britische Premierminister Andy Burnham kündigte auf dem Parteitag der Labour-Partei in Liverpool Pläne zur Abschaffung des Mehrheitswahlrechts und zur umfassenden Reform des Sozialsystems an. Burnham will eine Kommission einsetzen, die Vorschläge für eine Wahlrechtsreform erarbeiten soll, um die politische Stabilität Großbritanniens zu verbessern. Das derzeitige Mehrheitswahlrecht, bei dem der Kandidat mit den meisten Stimmen in einem Wahlkreis gewinnt, soll durch ein Verhältniswahlrecht ersetzt werden. Bei den Kommunalwahlen im Mai hatte sich eine Schwächung des traditionellen Zweiparteiensystems gezeigt.
Neben der Wahlrechtsreform plant Burnham tiefgreifende Änderungen im Sozialsystem, darunter den Aufbau eines staatlichen Pflegedienstes (National Care Service) und die stärkere öffentliche Kontrolle über die Wasser- und Stromerzeugung. Die Finanzierung des Pflegedienstes soll durch eine Anpassung der Rentenformel ab 2030 erfolgen, die zu Einsparungen führen soll. Burnham betonte die Notwendigkeit, an die Werte von 1945 anzuknüpfen, als die Labour-Regierung mit Sozialreformen das Gemeinwohl in den Mittelpunkt der Politik stellte. Er kritisierte die politische Instabilität der vergangenen Jahre, in denen Großbritannien sieben Premierminister in zehn Jahren hatte. Burnham kündigte auch an, die Kommunen befähigen zu wollen, marode Wohnungen zu übernehmen und zu sanieren.
Burnham reagierte emotional auf die Prophezeiung des schottischen Premierministers John Swinney, dass er der letzte Premierminister des Vereinigten Königreichs sein werde, da Swinneys Aussage am Tag des Todes seines Vaters erfolgte. Er rief zum Zusammenhalt der Briten auf. Ein früherer Versuch einer Wahlrechtsreform war 2011 in einem Referendum gescheitert.
Unsere Lesart ist, dass Burnham versucht, eine langfristige politische Stabilität durch grundlegende Reformen des Wahl- und Sozialsystems zu erreichen. Er scheint sich bewusst auf die Traditionen der Labour-Partei nach dem Zweiten Weltkrieg zu beziehen, um seine Pläne als Wiederbelebung des Gemeinwohls zu präsentieren. Die emotionale Reaktion auf die Äußerungen des schottischen Premierministers deutet darauf hin, dass die territoriale Einheit des Vereinigten Königreichs für ihn ein zentrales Anliegen ist.
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